Integrationsrat der Stadt Aachen
Migration & Integration

Integrationsrat: Selten hat eine Stimme so viel Gewicht

Von Lars Odenkirchen

Aachen. Nur selten hat eine Wählerstimme so viel Gewicht: Mehr als 0,1 Prozent war jedes Kreuzchen, das am Sonntag bei der Wiederholungswahl zum Integrationsrat gemacht wurde, wert. Denn gerade mal 936 von 27.188 Wahlberechtigten - das sind 3,44 Prozent - machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch.

Ein Ergebnis, dass die Aachener Bürgermeisterin Hilde Scheidt bedauerte: «Einige haben wohl nicht verstanden, warum alles so gelaufen ist», erklärte Scheidt, die dennoch optimistisch in die Zukunft blickt: «Es ist jetzt ein echter Neustart, und der Rat hat die Möglichkeit, sich neu zu beweisen. Ich bin ganz sicher, dass die Leute, die neu hinzukommen, ihre Arbeit sehr engagiert erledigen werden. Sie haben es verdient, in Ruhe zu arbeiten.»


Gremium hat Schaden genommen

Auch Rita Klösges vom städtischen Presseamt fand die Wahlbeteiligung «äußerst bedauerlich». Das zeigte sicher, dass viele Wähler irritiert seien und das Vertrauen in das Gremium Schaden genommen habe. «Mit der Urlaubszeit hat dies aber nichts zu tun, denn jeder Wähler hatte die Chance zur Briefwahl, die von vielen auch genutzt worden ist.» Insgesamt waren es 250 Wähler, die den Postweg nutzten.

Stärkste Partei wurde mit gerade einmal drei Stimmen Vorsprung die Liste «Miteinander-Füreinander» mit Carmelo Licitra, der sich nach den Unregelmäßigkeiten bei der Wahl im Februar massiv für die Wiederholungswahl eingesetzt hatte. «Ich freue mich sehr, obwohl die Beteiligung niedrig ist», beurteilt Licitra das Ergebnis, «die Ära einiger Gruppierungen ist jetzt vorbei, ohne die Neuwahl hätten die falschen Leute im Gremium gessessen.»

In der konstituierenden Sitzung am 22. September möchte Licitra sich als Vorsitzender des Integrationsrats zur Wahl stellen, auch einige Ziele hat er schon gefasst: «Wer hier lebt, muss die Gesetze und Pflichten des Landes anerkennen und vor allem auch die Sprache lernen,» meint der Italiener, «für den Integrationsrat möchte ich gerne eine Broschüre herausgeben, die die Mitglieder vorstellt, damit die Menschen unsere Arbeit besser verstehen.»

Als Gewinner durfte sich auch Sadio Barry von der «Afrika-Liste» fühlen, die statt zuvor einem nun drei Sitze eroberte. «Wir freuen uns sehr», meinte Barry, hofft aber in Zukunft auf eine Änderung im Wahlmodus: «Es ist schade, dass es nur zehn Wahllokale gab und viele Menschen weite Wege hatten.»

Noch nicht geklärt ist, was mit den beiden Listen «Aachener Demokratische Zusammenarbeit» (mit 19,54 Prozent und 3 Sitzen zweitstärkste Kraft) und «Türk Toplumu» (5,57 Prozent, 1 Sitz) passiert. Beide hatten zuvor angekündigt, für die Wiederholungswahl nicht zur Verfügung zu stehen, standen aber aus rechtlichen Gründen auf den Wahlzetteln. «Wir werden jetzt zunächst einmal wie gewohnt alle Kandidaten ansprechen, ob sie die Wahl annehmen», erklärte Rita Klösges. Was passiert, wenn beide Parteien ihre Sitze - immerhin vier von insgesamt vierzehn - ablehnen, ist aber noch nicht abschließend geklärt.

Quelle: az-web.de

 
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