aktuelle Termine

30.11.2017 (Donnerstag)

Literarischer Diskurs Fars

18:00

Der nächste literarische Diskurs Farsi findet am Samstag den 18.11.2017 um 18:00 Uhr in den DIFA-Räumlichkeiten im Welthaus an der Schanz in Aachen statt.

Integration

Integration

Was ist das eigentlich? Das Wort „Integration“ (fem., von lat. Integer bzw. griech. entagros = unberührt, unversehrt, ganz) bezeichnet die „Herstellung eines Ganzen“. Sie bedeutet in der Soziologie die Ausbildung einer Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit einem Einbezug von Menschen, die aus den verschiedensten Gründen von dieser ausgeschlossen (exkludiert) und teilweise in Sondergemeinschaften zusammengefasst waren. Integration hebt also den Zustand der Exklusion und der Separation auf. Integration beschreibt einen dynamischen, lange andauernden und sehr differenzierten Prozess des Zusammenfügens und Zusammenwachsens.

Desintegration

Der Gegenbegriff zur Integration ist die Desintegration. Unter Desintegration versteht man die Auflösung eines sozialen Zusammenhalts innerhalb einer Gruppe, die sich zum Beispiel bei sozialem Wandel, insbesondere der Modernisierung, ergibt. Von Desintegration können Staaten, Gesellschaften, soziale Schichten oder Gemeinschaften wie etwa Familien betroffen sein. Desintegration führt bei den betroffenen Gruppen und Individuen zu Desorientierung, die nach Desintegrationstheorem (W. Heitmeyers) eine wesentliche Ursache der Entstehung von Gewalt ist.

Integrierte Gesellschaft

Unter dem Begriff „ integrierte Gesellschaft“ wird eine Gesellschaft verstanden, in der der Zustand der Integration von allen Gruppen und von (fast) allen Mitgliedern der Gesellschaft erreicht ist. Sie stellt also einen Idealzustand, dessen Erreichen angestrebt werden soll.

Integrationsfähigkeit

Eine moderne und mobile Gesellschaft im 21. Jahrhundert ist aber keine statische, sondern höchst dynamische Struktur. Daher gewinnt die Integrationsfähigkeit zunehmend an Bedeutung. Die Gesellschaft mit größerer Integrationsfähigkeit hat für die Gestaltung der Zukunft ein generelles Vorteil und nicht nur im sozialen Sinne. Auch aus ökonomischer oder demographischer Sicht wird die Gesellschaft mit der größeren Integrationsfähigkeit entscheidende Vorteile beim Anwerben von Menschen haben, die als Wissenschaftler, Fachkräfte, usw. die Gesellschaft vorantreiben werden.

Demokratische Integration

Die Integration in einer demokratischen Gesellschaftsordnung kann nur nach demokratischen Prinzipien erfolgen. Diese Tatsache stellt das Fundament für alle Diskussionen über die Integration in der Bundesrepublik Deutschland. Hieraus wird deutlich, dass im Mittelpunkt des Diskussionskomplexes über die Integration das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland steht.

Das Grundgesetz

Das Grundgesetz ist das Werk, das die Spielregeln in unserer Gesellschaft festlegt. Wenn das Grundgesetz als Basis für die Spielregeln der bundesrepublikanischen Gesellschaft deutlicher herausgestellt wird, und klar gemacht wird, dass ALLE, sowohl die „Alteingesessenen“ als auch die Immigranten, dieselben Rechte und Pflichten haben und sich an einem und demselben Gesetz halten müssen, wird viel Konfliktpotential aus dem Spiel genommen. Denn so verliert „das Trennende“ unter den Menschen an Bedeutung! Was bleibt, ist das verbindende: die Gleichheit vor derselben Gesetze.

Integrationsprozess als ein umfassendes, dynamisches und immerwährendes Vorhaben

Die Integration umfasst alle Aktionen, die das Einhalten dieser Spielregeln unterstützen. Die Integration ist also ein umfassendes Vorhaben für die Gesellschaft und betrifft alle Menschen einer Gesellschaft ungeachtet der Herkunft oder gar Rasse. Auch ein deutschstämmiger, der in der BRD geboren und aufgewachsen ist, muss sich an den Spielregeln halten. Tut er dies nicht, muss auch hier von einer Desintegration und die Notwendigkeit einer Integration gesprochen werden. Tatsache aber ist, dass die Menschen aus sogenannten „anderen Kulturkreisen“ verständlicherweise eher von der Notwendigkeit der Integrationsmaßnahmen betroffen sind. Dies hat allerdings nicht per se mit ihrer Migration zu tun. Man denke nur an Immigranten, die mit guter Ausbildung und guten Sprachkenntnissen zwecks Berufsausübung nach BRD kommen. Für diese Menschen gestaltet sich die Integration als eine relativ kurze Phase des „Zurechtfindens“ in einer neuen Umgebung.

Klarstellung des Ziels: Integration von MENSCHEN

Bei der Integration muss der MENSCH im Mittelpunkt stehen. Alle Bemühungen, die diese Tatsache außer Acht lassen, bergen die Gefahr, dass Irrwege bestritten werden, die im harmlosesten Fall nur vom Eigentlichen ablenken und im schlimmsten Fall genau das Gegenteil von Integration, nämlich mehr Abgrenzungen und Entstehung von Parallelgesellschaften bewirken.
Hier wird klar, dass Elemente wie Kultur und die Religion als ein Teil der Kultur, ihre Beachtung und Berücksichtigung erst dadurch erlangen, dass ein MENSCH integriert werden soll. Die „fremden“ Kulturen (und hiermit auch Religionen) und Lebensgewohnheiten gewinnen ihre Bedeutung für den Prozess der Integration nur dadurch, dass MENSCHEN, die durch diese Kulturen beeinflusst worden sind, integriert werden wollen. Diese (Kulturen, Religionen…) und die Bemühungen sie besser kennenzulernen sind keineswegs Selbstzweck, sondern das Mittel zum Zweck. Dies darf nicht vergessen werden. Das Ziel ist die Integration eines MENSCHEN! Diese Sichtweise verhindert Irrwege und erleichtert die Integration.

Auf dem Weg zur Integration

Fürs Gelingen der Integration, in ihrer umfassenden Bedeutung, in einer Gesellschaft sind nicht die kulturellen und religiösen Unterschiede die wichtigen Themen, sondern die Gemeinsamkeiten:
Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das vieles schon in den ersten 19 Artikeln (den Grundrechten) klarstellt,
UND
der unverzichtbare Respekt vor jedem Menschen in dieser Gesellschaft.
Wenn die Gesellschaft diesen Respekt vor jedem Menschen, ungeachtet seiner Herkunft, Hautfarbe, Religion, Sprachakzent (und nicht zuletzt auch Bildung!) verinnerlicht hat, kann sie jedem Mitglied dieser Gesellschaft, also auch den Migranten, glaubhaft das Gefühl geben, dass sie in dieser Gesellschaft zu Hause sind. Denn das erscheint wohl bei der Integration das Hauptproblem zu sein.
Sicherlich kann man für die Migranten große bunte Feste feiern, dies wird aber für die Integration nichts bringen, wenn man nicht vor, während und nach dem Fest davon überzeugt ist, dass diese Menschen, wirklich dieselben Rechte in dieser Gesellschaft haben. Das Verhätscheln durch von oben herab agierenden und „es gut meinenden“ Menschen, verrät für manch sensiblen Migranten eher die Tatsache, dass diese nicht tatsächlich an Gleichheit der Gesellschaftsmitglieder glauben, sondern die Migranten wie „Waisenkinder“ behandeln, die einen Vormund brauchen. Wir reden hier noch nicht von den Menschen, die das Thema für eigene Zwecke missbrauchen.

Gefahren der Religionslastigkeit der Integrationsdiskussion

Die Religionen leben von Menschen, die an sie glauben. Und diese Menschen sind es, die eine bestimmte Lesart von jeder Religion bestimmen! Man kann also nicht blind Christentum, Islam, Judentum respektieren. Kann eine mittelalterliche Interpretation vom Christentum respektiert werden? Können die Ansichten von Kardinälen, die den Holocaust leugnen wegen Respekt vor der Religion ohne Antwort gelassen werden? Kann man Talibans Interpretation vom Islam akzeptieren? Kann man in einer demokratischen Gesellschaft den Thesen der radikalen Juden mit höflichem Schweigen begegnen? Darf sich der Integrationsprozess in die komplexe Interpretationsmöglichkeiten von und über Religionen hineinziehen lassen?
NEIN, es ist genau anders herum: Die Bundesrepublik Deutschland steckt durch das Grundgesetz die Rahmen und macht es jedem gleichermaßen klar: Es ist egal, wo du herkommst und wie lange du schon hier bist, welche Hautfarbe du hast, welchen Gott oder vielleicht gar keinen Gott du anbetest und welche Feste du feierst. Wichtig ist, dass du dich im Rahmen des Grundgesetztes bewegst!

Von der unabdingbaren Notwendigkeit der Beherrschung der deutschen Sprache

Die Akzeptanz und Beherrschung einer offiziellen gemeinsamen Sprache der Gesellschaft (hier die deutsche Sprache) stellt die erste Voraussetzung für die Kommunikation und Interaktion zwischen den Gesellschaftsmitgliedern und somit den Grundstein auf dem Wege zur Integration. Daher muss die Beherrschung der deutschen Sprache einerseits von allen Mitgliedern der Gesellschaft gefordert und andererseits seitens der Gesellschaft (Bundes- und Landesregierung, Stadtverwaltungen etc.) gefördert werden.

Von der Notwendigkeit der Förderung der Elternsprache der Migranten

Ein Bruch in der muttersprachlichen Entwicklung und der dabei in Kauf genommene mögliche Bruch mit der Elternsprache verhindert nicht nur eine gelungene schulische Integration und die Entwicklung aller kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten, sondern führt ebenso zu Missverständnissen und Konflikten zwischen den Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache und ihren Eltern sowie ihrer Herkunftskultur.
Durch elternsprachlichen Unterricht wird das Sprachvermögen insgesamt gefördert, was sich auch auf den Gebrauch der deutschen Sprache auswirkt.
Muttersprache ist zum Schulanfang in aller Regel noch die stabilere Sprache, denn sie ist es, die sich die Kinder in jahrelanger Übung und Anwendung vor Schulbeginn angeeignet haben. Durch eine vorschulische Übergangsphase, die sowohl die Herkunftssprache berücksichtigt, als auch auf die Verkehrssprache vorbereitet, wird der Funktionswechsel der Muttersprache zur Zweitsprache als Medium der kognitiven, kommunikativen und emotionalen Entfaltung erst ermöglicht! Dafür werden LehrerInnen, ErzieherInnen und Schulen gebraucht, die personell, inhaltlich und organisatorisch darauf vorbereitet sind. Dafür bedarf es institutioneller Verbesserungen, um die institutionelle Diskriminierung zu verhindern. Der Erfolg oder Misserfolg der jetzigen Schülergeneration nichtdeutscher Eltern ist auch ausschlaggebend für den der künftigen Nachkommen ehemaliger ArbeitsmigrantInnen.

Die Integration ist keine Einbahnstraße

Aus dem besagten geht deutlich hervor, dass es bei der Integration um einen Prozess mit einer kontinuierlichen Interaktion zwischen den Menschen geht. Es geht um einen aktiven Akt von beiden Seiten. Dieser Prozess ist nur dann erfolgreich, wenn beide Seiten ihren Beitrag dazu leisten.

Projektziele des DIFA

Die DIFA sieht ihre Aufgabe in diesem Komplex wie folgt:

  • Hilfestellung bei der Integration von insbes. Iran-stämmigen in die deutsche Gesellschaft
  • Bereitstellen von Informationen und Kenntnissen über das deutsche Rechtssystem sowie migrations- und sozialpolitische Themen in persischer und deutscher Sprache
  • Bereitstellen wichtiger Adressen und deutschsprachiger Links und Quellen zu den genannten Themen
  • Besprechung und Rezension von bestehenden Abhandlungen zum Thema Integration aus fachlicher, politischer, sozialer und humanistischer Sicht
  • Bereitstellen der Möglichkeit für den Gedankenaustausch zwischen Experten und Betroffenen zu den Themen Integration und Sozialisation von Migrantinnen und Migranten
Primäres Ziel
  • Förderung und Unterstützung von Integrationsbemühungen;
  • Sozialisation
  • Linderung von psycho-kulturellen Folgen der neuen Umgebung Bewahrung der eigenen Identität
Weitere Ziele
  • Initiierung verschiedener Ansatzpunkte zur Entwicklung einer „Civil Society“, um soziales Verantwortungsbewusstsein und Selbstorganisation für diese Aufgaben in der Bevölkerung zu stimulieren 
  • Soziales Engagement 
  • Partizipation, respektvolles Miteinander
  • Förderung kultureller, bewußtseinsbildender Maßnahmen 
  • Offener Informationsaustausch 
Zielgruppe

Unsere Zielgruppe und Ansprechpersonen sind nicht nur die Iranerinnen und Iraner, sondern alle, die uns im Sinne der Gesellschaft dazu helfen wollen.
Aus diesem Grund möchten wir hier alle Interessenten zur Mitarbeit einladen. Im Voraus danken wir Ihnen herzlichst für Ihr Interesse.